Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste und vor allem: liebe Kunstfreunde, ich begrüße Sie im Namen der Künstlerin ganz herzlich zu dieser Vernissage in den Räumlichkeiten des Sprach-Center Bektas. Beginnen möchte ich die Einführung in das Werk der Künstlerin mit einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe:
Als Minerva, jenen Liebling, Den Prometheus, zu begünst'gen,
Eine volle Nektarschale von dem Himmel niederbrachte,
seine Menschen zu beglücken und den Trieb zu holden Künsten
ihrem Busen einzuflößen, eilte sie mit schnellen Füßen,
dass sie Jupiter nicht sähe; und die goldne Schale schwankte,
und es fielen wenig Tropfen auf den grünen Boden nieder.
Emsig waren drauf die Bienen hinterher und saugten fleißig;
kam der Schmetterling geschäftig, auch ein Tröpfchen zu erhaschen;
selbst die ungestalte Spinne kroch herbei und sog gewaltig.
Glücklich haben sie gekostet, sie und andre zarte Tierchen!
Denn sie teilen mit dem Menschen nun das schönste Glück, die Kunst.
Konnte die Welt damals ahnen, dass auch ein Tropfen des Nektars der Kunst über Südbaden niederging und sich unter all den Tieren auch ein kleines Schopfheimer Menschlein befand, dass eifrig von dem Nektar naschte?
Dieses Menschlein ist inzwischen zu einer einzigartigen Künstlerin herangewachsen und befindet sich heute als Nov-Ah unter uns.
Nov-Ah? Ach, ich sehe unter den Gästen ein paar fragende Gesichter!!! So lassen Sie mich erklären, was es mit dem Namen auf sich hat. „Du malst wie eine Nova, es entsteht immer etwas Neues, Kreatives!“ – sagte ein englischer Studienkollege im College beim Betrachten ihrer Bilder - und so war der Name geboren und wurde für alle so selbstverständlich.
Die Künstlerin selbst wandelte diesen Namen dann in Nov-Ah mit „H“ am Ende um, denn das soll den AHA-Effekt betonen, den ihre Werke bei den Betrachtern auslösen.
Und so haben Sie heute Abend die Gelegenheit diesen neuen Stern am Kunsthimmel und ihre Werke persönlich antreffen und auf sich wirken zu lassen. Natürlich können Sie auf Nov-Ahs Internetseite ihre Kunst auch unabhängig von Zeit und Raum genießen.
Nov-Ah malte schon von frühester Jugend an. Doch während der Schulzeit schien es immer wieder Kunstlehrer gegeben zu haben, die offensichtlich nicht vom „Nektar der Kunst“ genascht hatten und mit ihren Bildern und ihrem Stil nicht viel anfangen konnten.
Die ersten „Lichtblicke“ gab es in England, wo der „Kunstgeist“ an ihrem College, (das war in den 70er Jahren) offener war. Nach einer sehr ruhigen Schaffenspause, wo sich die Künstlerin insbesondere auf die Arbeit in der Sprachschule und die Erziehung Ihrer beiden Söhne konzentriert hatte und nur für ihre Kinder malte, wurde sie v.a. von ihrem ältesten Sohn Dennis (der in jedem sein Potenzial sieht) ermutigt, nicht nur für den „Hausgebrauch“ kreativ zu sein.
Ihre Söhne bestärkten Sie immer wieder in ihrem Tun, in ihrer Kreativität und bewunderten ihre Kunstwerke. Daraufhin beschloss Nov-Ah nach den eher „frustrierenden“ künstlerischen Erfahrungen in der Schulzeit endlich ihren Stil zu leben.
Ihr Anfangsgedanke war: wenn ich male, dann male ich wenigstens für sie – meine Söhne. Das war 1998/99. Die meisten der hier ausgestellten Bilder stammen jedoch aus der sehr kreativen und aktiven Schaffensphase ab 2003 / 2004.
Nach Ende der Schulzeit war es in den 70er Jahren Nov-Ahs sehnlichster Wunsch ein Architekturstudium aufzunehmen, da sie schon immer großes Interesse an den schönen Künsten (wie Architektur und Literatur) zeigte. Doch wie es zu jener Zeit üblich war, folgte sie den beruflichen Vorstellungen der Mutter, die die Kunst als „brotlos“ darstellte und somit wandte sich Nov-Ah den Sprachen zu und begann als Autodidaktin in ihrer Freizeit ihrer künstlerischen Leidenschaft zu frönen und ihren eigenen Stil zu kreieren – im malerischen wie im poetischen Bereich.
Doch was ist nun die treibende Kraft hinter dem Schaffen dieser Künstlerin?
Nov-Ah wird v.a. immer wieder von ihrem eigenen Leben inspiriert und motiviert. Durch- und erlebte Situationen, positive wie negative Emotionen und Gefühle werden zur Verarbeitung „weggemalt“ und in intensiven Farbkombinationen ausgedrückt.
Dadurch hat Nov-Ah einen sehr engen, emotionalen Bezug zu ihren Werken, jedes Bild ist auch Spiegelbild des jeweiligen Momentes, ihrer persönlichen Gefühle, ihrer Sehnsüchte und ihrer Gedanken.
Verdeutlichen möchte ich dies durch ein Zitat der Künstlerin selbst: wenn ein Bild entsteht, wird das Chaos in ein Bild gebannt, in dem es vorher durch die Malerei filtriert wird.
Auch für Nov-Ah selbst ist dieser malerische „Filterfindungsprozess“ immer wieder faszinierend und von Überraschungen geprägt.
Ihre Bilder sind nicht geradlinig sondern einem stetigen Wachsen und Weiterentwickeln unterworfen, das sich über mehrere Stunden, ja Tage hinziehen kann.
So schön die Bilder für den Betrachter als „Bilder“ wahrzunehmen sind, so ist es der Künstlerin ganz besonders wichtig, eine Richtung, einen Lebensweg aufzuzeigen. Denn auch ihr hat die Malerei Wege durchs Leben und neue Pforten und Tore geöffnet.
Das Schöne an Nov-Ahs Malerei ist deshalb, dass sie auf jeden Betrachter anders wirkt und sich jeder individuell mit ihrem Werk auseinandersetzt und einen persönlichen Dialog mit ihren Bildern findet.
Beim Malen selbst taucht die Künstlerin völlig in ihr Schaffen ein, ja sogar ab, Nov-Ah lässt sich durch nichts ablenken und zieht sich voll und ganz in ihre Kunst zurück. Diese Zurückgezogenheit bezieht sich allerdings ausschließlich auf ihr künstlerisches Schaffen. Ansonsten geht sie sehr gerne auf Menschen zu und möchte diese auch erreichen – nicht nur mit ihrer Kunst, auch persönlich.
Daher kann es ihr schon mal nach einer intensiven Schaffensphase passieren, mit Farbe bekleckert und in Gedanken versunken - aber hungrig und durstig - als „lebendes Kunstwerk“ einkaufen zu gehen. Und so kommen nicht nur Sie, liebe Gäste dieser Vernissage, sondern auch die Verkäuferinnen des „Famila“ gelegentlich in den Genuss ihrer außergewöhnlichen Schaffenskraft.
Ich kann mir vorstellen, dass es nun unter Ihnen, sehr verehrte Damen und Herren auch einige gibt, die wie die Verkäuferinnen des Supermarkts nicht täglich in den Genuss des „Nektars der Kunst“ kommen und sich zwischen all‘ den verschiedenen Stilrichtungen vielleicht ein wenig verloren vorkommen.
Aber, verehrte Gäste, Sie können beruhigt sein, ich kann Ihnen ihre Angst nehmen, denn anfangs wusste die Künstlerin selbst nicht, in welchen Stil ihre Werke einzuordnen waren.
Nachdem sich Nov-Ah selbst mit der „Klassifizierung“ ihrer Kunst intensiv beschäftigte – teils unter Zuhilfenahme von Philosophen wie Aristoteles oder Kant – kam sie zu dem Schluss, dass ihre Werke von großer Metaphysik sind, da in ihren Werken die Physik malerisch dargestellt wird. Dies ist natürlich keine künstlerische Stilrichtung – doch Nov-ah macht sie sich zur „eigenen Stilrichtung“ und vergrößert somit den noch sehr kleinen Kreis der metaphysichen Maler. Die aktuelleren Werke tendieren jedoch immer mehr in die Richtung „Moderne und Surrealistische Kunst“.
Und warum hat sich die Künstlerin den Titel „Come share my Vision“ für ihre Vernissage ausgesucht? Viele mögen nun denken, dass sich Nov-Ah vom Betrachter der Bilder wünscht, er würde nun ihre Vision, ihre Sichtweise erkennen und teilen.
Nein, weit gefehlt!
Nov-Ahs Vision heißt: „Seht in den Bildern, was für Euch wichtig und bedeutend ist! Jeder soll selbst aus den Werken seine eigene Erkenntnis ziehen und sich seine eigene Sichtweise bilden.
Die Künstlerin selbst freut sich immer auf die Rückmeldungen der Besucher und Betrachter ihrer Werke, ob auf ihrer Internetseite oder heute Abend persönlich, und findet es faszinierend, wie andere Menschen ihre Kunst sehen und interpretieren. Einige Bilder sind unbetitelt, auch wenn Nov-Ah in ihrem Kopf ihnen schon einen Namen gegeben hat, so möchte sie trotzdem die Fantasie des Betrachters nicht durch eine eigene Namensvergabe limitieren.
So z.B. das Schwarz / Weiße Bild neben dem Vorhang: Ist es eine Frau, ein Mann mit Violine, eine Geistfrau?.... oder das Bild „Vogelfrau“ wurde schon als „Engel“ oder „Frau im Kimono“ von verschiedenen Betrachtern betitelt.
Vor kurzem sagte sogar eine Lehrerin der Sprachschule: „ihre Bilder sehen „indisch“ aus.“ Diesen Blick hatte Nov-Ah noch nie auf ihre Bilder und so können ihre Werke nicht nur bei Ihnen, liebe Gäste, sondern auch bei ihr selbst einen Aha-Effekt auslösen.
Nov-Ah ist offen, positiv und optimistisch – sowohl als Künstlerin, als auch als Mensch. Ihre kraftvolle persönliche Art, die Dinge und das Leben zu sehen, spiegeln sich auch in ihrer Maltechnik wider. Ihre Werke erschafft sie fast ausnahmslos mit ihren Händen, ohne Pinsel, um die Energie der Farben zu spüren. Auch wenn sie diese Maltechnik manchmal vor fast unlösbare Probleme stellt: Ihr fehlt manchmal schlichtweg der Pinsel zum Signieren ihrer Werke, wie Sie auf einigen Bildern feststellen werden, liebe Gäste.
Wie einzigartig diese Künstlerin ist, zeigt auch die Tatsache, dass sie keine künstlerischen Vorbilder hat, sondern nur aus ihrem Inneren und somit stark autobiographisch malt – was nicht bedeutet, sie würde sich nicht für andere Künstler oder Kunstrichtungen interessieren, insbesondere die Bilder von Monet oder van Gogh liegen ihr sehr.
Und warum findet diese Vernissage nun in einer Sprachschule statt?
Nun, zunächst scheinen Lernen und Kunst vordergründig zwei sehr verschiedene Welten zu sein. Doch bei näherer Betrachtung wird eine gewisse „Verwandtschaft“ deutlich. Denn auch von der Kunst können wir lernen – sich einmal fallen zu lassen, nicht nur den vorgeschriebenen Blickwinkeln zu folgen (wie wir es ja alle aus der Schule kennen), sondern in eine andere Dimension einzutauchen, sich dort wohl zufühlen und sich von sich selbst und seinen Gedanken und Fantasien leiten zu lassen.
Neben der Kunst zum Anschauen können wir heute auch Kunst zum Lesen genießen, denn ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass Nov-Ah auch eine passionierte Dichterin und Verfasserin von Kurzgeschichten ist. Mit ihrem einzigartigen Stil untermalt die Künstlerin damit ausgewählte Bilder, um ihre Gefühle auszudrücken.
Um dies zu verdeutlichen, möchte ich Ihnen ein Gedicht Nov-Ah’s vortragen:
Matrix einer Mitternacht
Freundliche regenbogenfarbene Gestalten unterhalten sich.
Schwarze Katzen und feuerspeiende Drachen verstecken sich.
Der Zauberberg versprüht mystische Gelassenheit.
Wer hier ist, hat sich mit dem Glück verschworen.
Komm mit uns, lass uns den Zauberberg entdecken.
Nach kurzer Pause:
Endgültig in den Abend entlassen möchte ich Sie mit einem Hinweis auf ein sehr schönes Projekt, dass Nov-ah für Sie vorbereitet hat:
„Das spannende ABC zu unsichtbaren Sichtbarkeiten“.
Hiermit möchte Nov-ah ausdrücken, dass es so viele Dinge gibt, die man nicht sieht und die doch so viel wichtiger sind, als die Dinge, die man sieht.
Diese „unsichtbaren Dinge“ wurden mit Buchstaben benannt, so dass Sie als Teilnehmer sie sichtbar machen können. Bitte beteiligen Sie sich zahlreich an dieser tollen Idee und geben der Künstlerin somit ein sehr individuelles Feedback.
Vielen Dank!
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche einen schönen Abend mit großem Kunstgenuss. Die Künstlerin ist natürlich anwesend und steht Ihnen für Frage gerne zur Verfügung.
(Laudatio verfasst von Jana Bäsell) |